Verein für Kultur- und Heimatgeschichte Bad Rotenfels e.V.


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Museum

Ausstellungen

Altes Handwerk im ehemaligen markgräflichen Schlossgut

Das Rotenfelser Schlossgut ist eng mit dem Namen des Markgrafen Wilhelm von Baden, Sohn von Großfürst Karl-Friedrich von Baden u. seiner 2. Gemahlin Luise Karoline von Hochberg, verbunden. Zuvor Eisenwerk, dann Steingeschirrfabrik, wurde es aufgelassen und verfiel zunächst. Markgraf Wilhelm errichtete eine landwirtschaftliche Musteranstalt, die weit über die Grenzen des Landes bekannt wurde und als Vorzeigeobjekt von Besuchern aus nah und fern aufgesucht wurde. Die Verwaltung des Guts lag allein in Wilhelms Hand, er erweiterte das Anwesen im Laufe der Jahre, so dass es 1850 etwa 341 Morgen Waldung, Gärten, Reben, Äcker und Wiesen umfasste.
1822 errichtete er Wirtschaftsgebäude, mit Verwalterwohnung bei der Schmelzerbrücke. Dort waren u.a. die Gastwirtschaften "Auf der Schmelz", "Zum Murgtal", und "Zum Schwerzschen Pflug" betrieben worden.

Das kaum begonnene Werk wurde 1824 von einer großen Überschwemmung schwer heimgesucht, die Murg zog hier noch in vielen Windungen unreguliert durch das Murgtal. Zur Wiederherstellung wurden im Verlauf von 35 Jahren mehr als 70.000 Fuhren Erde herbeigeschafft, um damit die einzelnen Fluren aufzufüllen, zusätzlich versah der badische Staat die Murg mit einem Damm, um das Gelände vor weiteren Überschwemmungen zu schützen.
Markgraf Wilhelm ließ 1817-1827 in der Nähe des Guts, nach den Plänen des Baumeisters Friedrich Weinbrenner, ein Schloss erbauen, um bei seinem Musterbetrieb einen festen Wohnsitz zu haben.

- 1830 entstanden die Wagenremise, 1833 ein Viehstall, eine Brennerei,
- 1834 eine große Scheune
- 1835 ein Schuppen, 1859 einige Schweineställe.


Er baute in seinem Betrieb Kartoffeln, Gerste, Klee, Hafer, Stoppelroggen, Raps, Topinambur, Stoppelrüben und Luzernen an. Außerdem machte er kleine Kulturversuche mit dem englischen Cowgras (Waldklee), dem Ribgras (Wegerich), der Pimpinelle, ferner mit Hirse sowie dem Incarnatklee.

In Zusammenarbeit mit der Gerätefabrik Florian Maurer aus Gaggenau schaffte er die besten und modernsten landwirtschaftlichen Geräte an und erprobte u.a. Pflüge, Eggen, Saat- und Dreschmaschinen.
Wilhelm ließ in den Jahren 1824-1839, dreitausend Obstbäume pflanzen: Äpfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume sowie Nuss- und Kirschbäume. Für seine Seidenraupenzucht wurden 1.100 Maulbeerbäume angepflanzt.

Auf der zu seinem Hofgut gehörenden Waldfläche von 177 Morgen ließ er den Hochwald mit Buchen und Weißtannen auffrischen. Von 1826 - 1838 wurden 60.598 Nadelbäume, hauptsächlich Rottannen, 79488 Laubbäume, darunter 18 Arten amerikanischer Eichen und Ulmen und 9.932 Ziersträucher, zusammen also 150.018 Pflanzen gesetzt. Der Viehbestand betrug 1858 50 Stück, Zug- und Mastochsen, Milchkühe der Holländer-, Limburger- und Rigirasse.

So entwickelte sich eine landwirtschaftliche Musteranstalt, deren guter Ruf bis weit über die Grenzen eilte. Es kamen zahlreiche Studienkommissionen aus Deutschland und dem Ausland um diesen Betrieb zu besichtigen und zu Studienzwecken zu nutzen.

1859 starb Markgraf Wilhelm. Seine Tochter, Sophie Fürstin zu Lippe-Detmold erbt das Hofgut. Nach deren Tod, ging der Besitz 1904 an ihre Nichte Feodora Fürstin zu Leiningen.
1937 wurde das gesamte Anwesen veräußert. Der Staat wurde Eigentümer des markgräflichen Schlossguts, das Schloss wurde verkauft, der herrschaftliche Wald dem Staatsforst Baden-Baden angegliedert. Schlosspark und Mineralquelle übernahm die Gemeinde Rotenfels.
Von 1956-1972 wurde das Hofgut an die Daimler-Benz AG zur Erprobung und Vorführung des Unimogs verpachtet. Seit 1995 befindet es sich im Privatbesitz.

Die 1834 erbaute Scheune wurde 1997 an den Verein für Kultur- und Heimatgeschichte Bad Rotenfels vermietet. Um alte Handwerks- und landwirtschaftliche Techniken der Nachwelt vorführen zu können, wurden zahlreiche alte Exponate aus Handwerk und Landwirtschaft sowie Hausgerätschaften zusammengetragen. Das geplante Museum ist zwar noch im Aufbau, kann aber bereits besichtigt werden. Ein Besuch lohnt sich jetzt schon.
Damit das Museum " Altes Handwerk im ehemaligen markgräflichen Schlossgut" vervollständigt werden kann, sucht der Verein für Kultur- und Heimatgeschichte Helfer, die handwerklich geschickt sind und Interesse an diesem Projekt haben. Jeden Mittwoch von 9.00 - 11.30 wird an der Ausstellung gearbeitet. Wer bei der Instandsetzung von Gerätschaften mithelfen möchte, ist willkommen und kann diese für die Restaurationsarbeiten auch mit nach Hause nehmen.

Wer Interesse an einer Führung hat, oder mithelfen will, möge sich bei Herrn Roland Hirth, Tel. 07225/ 1402, melden.


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